Celina, Friedl und Knoblach: Niedrigwasserlage in Unterfranken spitzt sich zu

Grüne Landtagsfraktion legt 10-Punkte-Plan zum Wasserschutz vor

Angesichts der anhaltenden Niedrigwasser- und Dürresituation legt die Landtagsfraktion der Grünen einen umfassenden 10-Punkte-Plan für den Schutz von Trinkwasser, Gewässern und Landschaftswasserhaushalt vor. Patrick Friedl, Sprecher für Naturschutz und Klimaanpassung fordert die Staatsregierung zu unverzüglichem Handeln auf. Einen entsprechenden Antrag hat die Grünen-Fraktion in den Bayerischen Landtag eingebracht.

Die Lage ist ernst: Nach dem aktuellen Niedrigwasser-Lagebericht des Bayerischen Landesamts für Umwelt weisen 81 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und 74 Prozent der tieferen Grundwassermessstellen in Bayern niedrige Wasserstände auf. Rund 65 Prozent der Flusspegel liegen unter dem langjährigen mittleren Niedrigwasserabfluss und werden als „sehr niedrig“ eingestuft. Besonders betroffen sind auch Gebiete in Unterfranken.

„Unterfranken erlebt seit Jahren, was die Klimakrise für unsere Wasserressourcen bedeutet. Sinkende Grundwasserstände, ausgetrocknete Bäche, zunehmende Wasserentnahmeverbote und Belastungen für Natur, Landwirtschaft und Kommunen werden immer mehr zur neuen Realität. Die Staatsregierung muss endlich mit der notwendigen Entschlossenheit reagieren“, erklärt Paul Knoblach, MdL und Biolandwirt aus Garstadt.

Situation in Unterfranken zunehmend kritisch

Der aktuelle Dürreindex des Landesamts für Umwelt weist für Teile des südlichen Unterfrankens sogar extrem trockene Verhältnisse aus. Gleichzeitig gehört Unterfranken erneut zu den Hitze-Hotspots Bayerns. Beispielsweise wurden in Würzburg dieses Jahr bislang 28 Hitzetage registriert. Das sind bereits jetzt mehr als in jedem der letzten drei Jahre. In Kitzingen wurden in diesem Sommer bereits 32 heiße Tage über 30 Grad Celsius sowie 11 Tage mit Temperaturen über 35 Grad Celsius registriert. Damit liegen die Werte um ein Vielfaches über dem langjährigen Durchschnitt.

„Wenn selbst in der sonst wasserreichen Voralpenregion und entlang großer Flüsse die Wasserstände kritisch werden, dann dürfen wir die Lage nicht länger als vorübergehendes Sommerphänomen abtun. Die Staatsregierung muss endlich auf die neuen klimatischen Realitäten reagieren“, so Kerstin Celina, MdL und Sozialpolitikerin aus Kürnach.

Trinkwasser schützen statt Probleme verwalten

Die Grünen kritisieren, dass zentrale Empfehlungen der Expertenkommission Wasser bislang nur schleppend umgesetzt werden. „Statt einen Fokus auf Fernwasserversorgung (Markus Söder spricht von „Megaleitung von Süden nach Norden“) zu setzen, braucht Bayern vor allem mehr Wasserrückhalt in der Fläche und einen besseren Schutz der Grundwasserreserven. Bei der Wassergesetznovelle 2025 hat die Söder-Regierung wieder einmal die Chance verpasst, die Wasserzukunft Bayerns langfristig zu sichern“, so Patrick Friedl.

Der Grüne 10-Punkte-Plan umfasst kurz- und mittelfristige Maßnahmen, darunter eine bayernweite Wassersparoffensive und einen Krisenstab Wasser für akute Niedrigwasserlagen, den besseren Schutz von Flüssen, Bächen und Seen und den Ausbau von Wasserschutzgebieten, deutlich mehr Personal für die Wasserwirtschaftsverwaltung und die Modernisierung der kommunalen Wasserinfrastruktur, sowie die Stärkung von Schwammstädten und Schwammlandschaften.

Gewässerqualität und Badeseen unter Druck

„Die anhaltende Hitze belastet nicht nur die Wasserversorgung, sondern zunehmend auch die Gewässerqualität“, so Paul Knoblach. Bayernweit werden Blaualgenentwicklungen durch hohe Temperaturen und geringe Wasserbewegung begünstigt. Laut Umweltbundesamt sind bundesweit mehr als die Hälfte aller zeitweiligen Sperrungen von Badegewässern auf Cyanobakterien zurückzuführen. Auch Niedrigwasser wird mittlerweile als Grund für Einschränkungen genannt. Kerstin Celina betont: „Seen und Flüsse sind wichtige Ökosysteme, Orte der Naherholung und der Abkühlung. Gerade deshalb müssen wir heute investieren, damit unsere Gewässer auch morgen gesund bleiben.“

Söder-Regierung muss jetzt entschlossen handeln

Die Grünen sehen die Staatsregierung in der Pflicht, jetzt entschlossen zu handeln. „Die Frage lautet nicht mehr, ob Bayern von Wasserknappheit betroffen sein wird. Die Frage lautet, wie wir mit den sich verschärfenden Trockenheiten und Dürren umgehen. Damit auch in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren noch selbstverständlich gilt: Hahn auf, Wasser fließt. Dafür braucht es jetzt entschlossenes Anpacken statt weiterer Ankündigungen“, so Kerstin Celina, Patrick Friedl und Paul Knoblach abschließend.