Grüne wollen Zeller Quellen schützen

Foto: Andrea Stahl

„Nicht kalkulierbare Risiken schließen Genehmigung für Gipsbergwerk aus“

Würzburg/Altertheim. Das geplante Gipsbergwerk bei Altertheim würde unmittelbar im Einzugsgebiet der Zeller Quellen entstehen – einer der wichtigsten Trinkwasserressourcen für die Stadt Würzburg und die Region. Für Bündnis 90/Die Grünen steht deshalb fest: Der Schutz des Trinkwassers muss oberste Priorität haben. Solange nicht zweifelsfrei nachgewiesen ist, dass das Bergwerk die Zeller Quellen dauerhaft und sicher nicht beeinträchtigt, darf das Vorhaben keine Genehmigung erhalten.

Gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Niklas Wagener, der Kreisvorsitzenden Jessica Hecht und Stadträtin Christa Grosch informierte sich der Würzburger Landtagsabgeordnete Patrick Friedl zunächst bei der Trinkwasserversorgung Würzburg über die Bedeutung der Zeller Quellen. Anschließend fand ein intensiver Austausch mit der Bürgerinitiative in Altertheim statt.

„Sauberes Trinkwasser ist keine beliebige Ressource, sondern Teil unserer öffentlichen Daseinsvorsorge und Grundlage allen Lebens. Die Zeller Quellen versorgen seit Jahrhunderten zuverlässig Menschen in unserer Region. Dieses Naturgut dürfen wir keinem Risiko aussetzen, das nicht kalkulierbar ist“, erklärt Jessica Hecht, Kreisvorsitzende und Kreisrätin der Grünen.

Der Besuch bei der Wasserversorgung machte deutlich, welche zentrale Rolle die Zeller Quellen für die Region spielen. Gleichzeitig nehmen die Herausforderungen durch die Klimakrise zu: längere Trockenzeiten, häufigere Hitzeperioden und sinkende Grundwasserstände erhöhen den Wert jeder einzelnen Trinkwasserquelle.

Beim Austausch wurde aus Sicht der Grünen zudem deutlich, wie angespannt die Situation der Wasserversorgung in Würzburg bereits heute ist. Die vorhandenen Ressourcen werden zunehmend stärker beansprucht. Waldbrände und Dürren zeigen immer deutlicher, wie wichtig eine verlässliche Wasserversorgung ist. Zusätzliche Risiken für bestehende Trinkwasserquellen dürften deshalb nicht eingegangen werden.

„Gerade weil Wasser künftig noch kostbarer wird, müssen wir besonders sorgsam mit unseren Ressourcen umgehen. Wer heute Risiken für die Trinkwasserversorgung eingeht, handelt gegen die Interessen kommender Generationen. Der Besuch hat uns sehr deutlich gemacht, wie wichtig die Zeller Quellen für die Wasserversorgung Würzburgs sind und wie wenig Spielraum bereits heute besteht. Umso weniger dürfen wir riskieren, dass die Zeller Quellen durch den Gipsabbau beeinträchtigt werden“, so der Bundestagsabgeordnete Niklas Wagener.

Nach Auffassung der Grünen und der Bürgerinitiative bestehen weiterhin erhebliche fachliche Unsicherheiten. Dieter Kraus-Egbers: „Die geologischen Verhältnisse sind komplex, die Zahl der Erkundungsbohrungen ist angesichts der Größe des Vorhabens deutlich zu gering und auch die Schutzwirkung der Deckschichten kann so nicht beurteilt werden.“

„Im Genehmigungsrecht gilt ein einfacher Grundsatz: Nicht die Öffentlichkeit muss beweisen, dass Gefahren entstehen. Der Vorhabenträger muss nachweisen, dass erhebliche Beeinträchtigungen sicher ausgeschlossen werden können. Gerade bei einer Trinkwassergewinnung müssen dabei höchste Anforderungen gelten“, so Patrick Friedl, Landtagsabgeordneter und Sprecher für Naturschutz und Klimaanpassung.

„Der Schutz unseres Trinkwassers hat Verfassungsrang. Wo Risiken nicht sicher ausgeschlossen werden können, darf ein solches Vorhaben nicht genehmigt werden.“

Aus Sicht der Grünen bleibt zudem offen, wie sich die Eingriffe in den Untergrund über sehr lange Zeiträume auswirken können. Ein Bergwerk verändert geologische Strukturen dauerhaft – weit über die eigentliche Betriebszeit hinaus.

Zugleich verweist Wagener darauf, dass inzwischen an Alternativen zu konventionellen Baustoffen gearbeitet wird. Bei einem Besuch in Potsdam informierte er sich über Ansätze, bei denen Rohstoffe aus wiedervernässten Mooren, etwa Schilf und Rohrkolben, für die Herstellung von Bauplatten genutzt werden. Solche Entwicklungen zeigten, dass künftig stärker auf nachwachsende und klimaschonende Rohstoffe gesetzt werden könne.

„Wir sprechen hier nicht über einen Eingriff für wenige Jahre. Die Auswirkungen können Generationen betreffen. Deshalb muss der Maßstab lauten: Im Zweifel für den Schutz des Trinkwassers – nicht für ein wirtschaftliches Einzelinteresse“, so Jessica Hecht.

Kritisch sehen die Grünen außerdem den bisherigen Verlauf des Verfahrens. Entscheidungen mit einer solchen Tragweite müssten transparent, nachvollziehbar und unter frühzeitiger Beteiligung der Öffentlichkeit erfolgen.

Niklas Wagener: „Vertrauen entsteht durch Offenheit. Die Bürgerinnen und Bürger haben Anspruch darauf, dass alle relevanten Informationen auf dem Tisch liegen und fachliche Einwände sorgfältig geprüft werden. Gerade bei einem Vorhaben dieser Größenordnung ist Transparenz unverzichtbar.“

Für die Grünen ist der Schutz der Zeller Quellen eine umweltpolitische wie auch eine gesellschaftliche Verantwortung.

„Das Vorsorgeprinzip gehört zu den tragenden Grundsätzen unseres Umweltrechts. Wenn erhebliche Restrisiken für eine der wichtigsten Trinkwasserquellen der Region nicht verlässlich ausgeschlossen werden können, fehlt aus unserer Sicht die Grundlage für eine Genehmigung. Die Zeller Quellen sind unbezahlbar. Sie zu schützen, ist unsere Verantwortung gegenüber den Menschen heute und gegenüber den Generationen, die nach uns kommen“, fasst Patrick Friedl zusammen.

Die Grünen in Stadt und Landkreis Würzburg fordern die zuständigen Behörden deshalb auf, den Schutz der Trinkwasserversorgung zum entscheidenden Maßstab des Genehmigungsverfahrens zu machen. Bei nicht ausräumbaren Restrisiken muss das Vorsorgeprinzip gelten – und die Genehmigung für das geplante Gipsbergwerk versagt werden.