Bayerns Städte im Hitzestress – Söder-Regierung hat die Gefahr durch Hitze in Bayerns Städten und Gemeinden noch nicht verstanden 9 Juni 202618 Juni 2026 Patrick Friedl kritisiert: Die Söder-Regierung arbeitet mit verharmlosenden Regionaldaten zur Beurteilung der Hitzebelastung in den Städten „Hitze wird immer mehr zu einer Gefahr für die Gesundheit und das Leben der Menschen in Bayern. Umso erschreckender ist es, dass die Staatsregierung die tatsächliche Belastung in unseren Städten und Gemeinden immer noch systematisch unterschätzt. Wer die Hitze in Innenstädten mit Messwerten aus den umliegenden Landkreisen bewertet, verweigert die Realität“, erklärt Patrick Friedl, Sprecher für Naturschutz und Klimaanpassung der Landtags-Grünen. Aus diesem Grund hat Patrick Friedl ein Bündel neuer Anfragen eingereicht, um die Maßnahmen der Staatsregierung gegen die zunehmende Hitzebelastung erneut auf den Prüfstand zu stellen. Aus seiner Sicht zieht sich die Staatsregierung weiterhin aus ihrer Verantwortung zurück. Patrick Friedl: Die Unterstützung der Kommunen bleibt unzureichend, die bisherigen Förderungen reichen bei Weitem nicht, und verbindliche Standards für hitzeresiliente Städte und öffentliche Gebäude fehlen. Besonders problematisch ist die Datengrundlage der Staatsregierung. Statt die eigentliche Hitzebelastung in den Städten zu betrachten, werden Messwerte aus den jeweiligen Landkreisen herangezogen. Das führt zu einer erheblichen Unterschätzung der tatsächlichen Hitzebelastung. Ein Beispiel ist Augsburg: Für das Jahr 2025 nennt die Staatsregierung für den Landkreis 13,5 Hitzetage*. Nach Daten von Wetterkontor waren es im Stadtgebiet jedoch 16 Hitzetage. Die zentral gelegene Messstation der Stadt Augsburg am Königsplatz registrierte in der Innenstadt sogar 22 Hitzetage. Die tatsächliche Belastung der Menschen fällt also deutlich höher aus als die Zahlen, mit denen die Staatsregierung arbeitet. Ähnliches gilt für Tropennächte**: Weil die Staatsregierung überwiegend Messwerte außerhalb der dicht bebauten Stadtgebiete verwendet, werden in ihren Auswertungen kaum Tropennächte erfasst. Gerade diese Nächte gelten jedoch als besonders gesundheitsgefährdend, weil der menschliche Körper dringend auf nächtliche Abkühlung angewiesen ist. „Selbst die Landkreisdaten, auf die sich die Staatsregierung stützt, zeigen bereits die Dramatik der Entwicklung. In den Landkreisen Würzburg und Erlangen-Höchstadt wurden 2025 jeweils 19 Hitzetage registriert, in den Landkreisen Schweinfurt und Fürth jeweils 18. Bei genauerer Betrachtung wird schnell klar: In den dicht bebauten Innenstädten liegen die Werte oft noch deutlich höher. Wer für Städte und andere stark versiegelte Gebiete faktisch von null Tropennächten ausgeht, unterschätzt die Gefahr massiv. Bei diesem Umgang mit Daten wird die Staatsregierung auch in den kommenden Jahren die Dramatik der Lage verkennen. So kann man keine wirksame Hitzevorsorge betreiben“, kritisiert der Würzburger Landtagsabgeordnete Patrick Friedl. Patrick Friedl mahnt, dass Bayern dringend mehr für die Anpassung an zunehmende Hitzeperioden tun müsse. Besonders gefährdet seien ältere Menschen, Kleinkinder, Menschen mit Vorerkrankungen, Schwangere, Schülerinnen und Schüler sowie Beschäftigte, die im Freien arbeiten. Hitzevorsorge sei längst keine Frage des Komforts mehr, sondern des Gesundheitsschutzes. „Wir müssen alles daransetzen, dass die nächste Hitzewelle nicht zu massiven Gesundheitsschäden oder lebensbedrohlichen Situationen führt. Besonders deutlich wird das Versäumnis der Staatsregierung bei den eigenen Gebäuden. Noch immer fehlt ein erkennbarer Standard für hitzeresilientes Bauen. Begrünung, Verschattung und Maßnahmen gegen Überhitzung spielen häufig nur eine Nebenrolle. Wenn selbst der Freistaat bei seinen eigenen Gebäuden nicht konsequent auf die zunehmende Hitzebelastung reagiert, zeigt das, dass der Ernst der Lage noch immer nicht vollständig verstanden wurde. Gerade bei Schulen, Pflegeheimen und Krankenhäusern darf die Staatsregierung nicht länger hinterherlaufen. Die Klimakrise findet längst nicht mehr nur in der Zukunft statt – sie ist in unseren Städten und Gemeinden angekommen“, so Patrick Friedl. * Tage mit Höchsttemperaturen von 30°C oder mehr. **Tage, an denen die Temperatur nicht unter 20°C sinkt. Die erwähnten Daten für Augsburg finden sich hier: WetterKontor Wetterstation Königsplatz, Augsburg Studien zum Hitze in bayerischen Städten: München (2020) zu Hitzestress Augsburg (2025) zu Hitze und Gesundheit Würzburg (läuft) zu Hitzestress